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Forum Logistik-Cluster Schwaben 2015

Logistik braucht Infrastruktur - Logistik schafft Infrastruktur - Logistik IST Infrastruktur

Ohne eine gut ausgebaute Infrastruktur ist Logistik nicht möglich. Allerdings muss die Öffentlichkeit vom Bau neuer Lagerstandorte und Ausbau vorhandener Verkehrstrassen überzeugt sein. Wie ein roter Faden zog sich diese Erkenntnis durch die Vorträge des Forum Logistik-Cluster Schwaben zum Thema „Logistik IST Infrastruktur“ am 16. April 2015 - also dem Tag der Logistik - auf dem Allgäu Airport in Memmingen. „Wir planen Aufklärung bis ins kleinste Detail“, sagte Georg Brunnhuber, neuer Vorstandsvorsitzender des Vereins Bahnprojekt Stuttgart - Ulm e.V., vor rund 70 Teilnehmern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.

Auf rund 60 Kilometern baut die Deutsche Bahn AG in der Schwäbischen Alb neun Tunnel und über 40 Eisenbahn- und Straßenüberführungen. Voraussichtlich ab 2021 werden Güter- und Personenzüge mit bis zu 250 km/h die Alb unterqueren, was die Fahrzeiten um mehr als die Hälfte verkürzt. Im Fokus der Kommunikation steht immer der Nutzen für den einzelnen Bürger, betonte Brunnhuber. Weil die neue Strecke zusätzliche Züge aufnehmen kann, werden weitere Direkt-verbindungen möglich und fallen weniger Verspätungen an. „Der volkswirtschaftliche Nutzen dieses Projekts wird mit unseren Argumenten nachvollziehbar“, sagte Brunnhuber. Außerdem werde die Schiene als Verkehrsträger gegenüber der Straße gestärkt und könne zwei Millionen Reisende zusätzlich akquirieren. Dieses Argument kommt Brunnhuber zu-folge ebenfalls gut an.

Bleiben die Anwohner, die unmittelbar vom Baulärm in Mitleidenschaft gezogen werden. „Über eine Hotline können sie jederzeit ein Hotelzimmer auf unsere Kosten buchen, wenn der Krach unerträglich wird“, berichtete Brunnhuber. Bisher habe allerdings noch kein Bürger diese Option genutzt.

Genau mit solchen Angeboten können Logistiker von ihren Projekten und ihrer Branche überzeugen, urteilte Klaus - Peter Schöppner, Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts Mentefactum. „Die Deutschen leiden an einem Sofa-Syndrom“, diagnostizierte der langjährige Emnid - Chef. Viele sind von der Not-wendigkeit von Veränderungen über-zeugt, möchten aber nicht von diesen in Mitleidenschaft gezogen werden. „Wichtig ist ein Kümmerer, der auf Grund seiner Glaubwürdigkeit die Menschen mitnimmt“, sagte Schöppner. „Er kann dann auch komplexe Sachverhalte erklären und auf lokale Gegebenheiten herunterbrechen.“ Genau solche Persönlichkeiten seien aber rar. Schöppner entwarf ein „Leitbild 2020“ für eine „gute“ Logistik, die durch Sachorientierung, Verständnis, Sicherheit und Vertrauen beeindruckt.

Voraussetzung hierfür ist eine gut konzipierte Öffentlichkeitsarbeit. Der Münchner PR-Experte Jens Tosse plädierte für ziel-gruppenspezifische Maßnahmen, die mit „Transparenz, Kontinuität, Konsistenz und Flexibilität“ überzeugen. „Potentielle Krisensituationen müssen vorab ermittelt werden“, empfahl Tosse die Vorbereitungen von Präventivmaßnahmen. Am Bei-spiel eines Logistikprojekts im Rhein-Main-Gebiet zeigte der Marktkenner auf, dass mit einer Kommunikation, die Ein-wände aufgreift und Ängste ernst nimmt, auch kritische Bürger überzeugt werden können.

Ansonsten sind die Rahmenbedingungen für erfolgreiche Ansiedlungen gut. Dr. Wolfgang Hübschle, Leiter der Agentur „Invest in Bavaria“, zählte die zahlreichen Services des Freistaats für Investoren auf. In 14 Jahren seien über 1150 Projekte mit rund 36.000 Arbeitsplätzen realisiert worden. Mit völlig anderen Themen beschäftigten sich die beiden Schlussvorträge. Dirk Meyer vom Fraunhofer Institut für Software und Systemtechnik (ISST) in Dortmund zeigte auf, wie mit neuen cloud-basierten Lösungen Logistikdienstleister in kürzester Zeit Lager mit kompletter Infrastruktur in Betrieb nehmen. Professor Florian Jaehn von der Universität Augsburg präsentierte logistische Lösungen für ein verbessertes Passagier - Boarding, welche die Einstiegs-zeit um bis zu einem Drittel verkürzen. Möglicherweise können die Forum-Teilnehmer schon bald bei Abflügen vom Tagungsort Allgäu Airport aus sich von deren Wirksamkeit überzeugen.

Am Ende der Veranstaltung hatten die Besucher noch die Möglichkeit bei einer Bustour, die vom Geschäftsführer des Flughafens, Ralf Schmid, persönlich durchgeführt wurde, hinter die Kulissen des Allgäu Airport zu blicken.

Programm im Rückblick

Das Programm als PDF erhalten Sie hier.

 

Auf Bitte einiger unserer Referenten werden wir die Vorträge nicht auf unsere Website hochladen. Sollte Sie aber einer der Vorträge interessieren, senden wir Ihnen gerne das pfd zu. Bitte schreiben Sie uns uns eine E-Mail.

Moderation

Angie Roß
a.tv – Fernsehen für Augsburg und Schwaben

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